Kobra auf dem Bergisel

Jährlich die weltbesten Skispringer, Napoleon und sogar der Papst – sie alle waren bereits am Bergisel. Jener Berg, auf dem jährlich das dritte Springen der Vierschanzentournee stattfindet, ist längst das regionale Kulturheiligtum der Tiroler.

Sein jetziges Aussehen mit dem markanten Kessel in der Auslaufspur verdankt die Schanze der renommierten Architektin Zaha Hadid. Die Britin iranischer Herkunft verlieh dem Anlaufturm eine derart geschwungene Form, dass die Einheimischen ihn liebevoll wie ehrfürchtig die „Kobra“ nennen. 2002 bekam Hadid dafür den österreichischen Staatspreis für Architektur. Die Bergiselschanze schaffte es damit von einer reinen Sportstätte zum Wahrzeichen Innsbrucks.

Der Absprungbalken auf der Bergiselschanze. Unten der einzigartige wie stimmungsvolle Stadionkessel.

Der Absprungbalken auf der Bergiselschanze. Unten der einzigartige wie stimmungsvolle Stadionkessel.

Nicht nur im Winter, wenn die Skispringer zur Vierschanzentournee gastieren, ist auf dem Bergisel Action angesagt. Das ganze Jahr über frühstücken hier Einheimische, Touristen kommen wegen der famosen Aussicht vom 50 Meter hohen Turm. Wer ein bisschen Nervenkitzel sucht, darf gegen einen kleinen Aufpreis auf dem Absprungbalken sitzen, von dem es 91,3 Meter zum Absprung in die Tiefe geht.

Der Trubel um die Schanze ist etwas ganz besonderes. In anderen Wintersportorten kommt das öffentliche Leben auf den Schanzen abseits der Wettbewerber im Winter zum erliegen.

Die Beliebtheit des Bergisels erklärt sich in der Geschichte. Vor knapp 200 Jahren machte sich Napoleon auf, das widerspenstige Bergvolk zu besiegen. In vier Schlachten versuchte die französisch-bayerische Armee das Landstück einzunehmen. Es misslang. Die Tiroler unter der Führung des Volkshelden Andreas Hofer nutzten jeden Winkelzug der Bergketten und schlugen die Eindringlinge in die Flucht. Noch heute erinnern die Innsbrucker noch an die Heldentaten. Am 20. Februar ist die Bergiselschanze nur eingeschränkt zu begehen. Dann finden die Gedenkfeiern zum Todestag des Freiheitskämpfers Hofer statt.

1964 und 1976 fanden in Innsbruck die olympischen Winterspiele statt. Die Schanze wurde daraufhin immer wieder ausgebaut, die Fans machten die Wettbewerbe zu stimmungsvollen Events. Das bekamen auch der Vatikan mit. 1988 hielt Papst Johannes Paul II. Eine Messe vor über 60.000 Gläubigen ab. Anfang des neuen Jahrtausends kam der kunstvolle Umbau der Schanze durch Zaha Hadid. Als besonderes „Schmankerl“ kann die Anlaufspur und der Turm der Bergiselschanze beleuchtet werden. Bei Nacht sieht es dann tatsächlich so aus, als würde eine überdimensionale Kobra über Innsbruck wachen.

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