Skisprung-Lexikon: Von A bis Z

A wie Anzug, D wie Dubai, P wie P-Punkt: Alles was ihr über das Skispringen wissen müsst, erfahrt ihr in unserem kurzweiligen Skisprung-Lexikon.

A wie Anzug: Wie groß die Anzüge der Skispringer sein dürfen ist durch die FIS streng reglementiert. Kürzlich wurde erst festgelegt, dass der Abstand an der Hüfte zwischen Anzug und Haut nun drei Zentimeter betragen darf. Er darf nur aus fünf Teilen bestehen, um Auftrieb durch zusätzliche Nähte zu verhindern. Diese Regularien gibt es für den gesamten Anzug, die Liste ist lang. Den Grund nennt der FIS Renndirektor Walter Hofer: „Wenn unter den 50 teilnehmenden Skispringern nur einer eine Schrittlänge von zwei bis drei Zentimetern mehr bekommen würde, wäre er unschlagbar.“

Die Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen. Blick aus dem Sepp-Bradl-Stadion, benannt nach dem ersten Gewinner der Vierschanzentournee. © Ingo Jensen, OK Vierschanzentournee

B wie Bischofshofen: In Bischofshofen findet traditionell das letzte Springen der Vierschanzentournee am Dreikönigstag statt. Die frühere Naturschanze, der im Laufe der Jahre ein Schanzentisch aus Stahlbeton verpasst wurde, ist benannt nach Paul Außerleitner. Der Skispringer vom SC Bischofshofen stürzte am 5. Januar 1952 schwer und erlag danach seinen Verletzungen. Mit einer Hillsize von 141 Metern ist sie eine der größten Schanzen des Weltcups.

C wie Carina Vogt: Carina Vogt ist die erste Olympiasiegerin im Skispringen. Die Deutsche gewann bei den olympischen Spielen von Sotschi 2014 Gold im Einzel.

 

D wie Dubai: Der Renndirektor Walter Hofer will den Weltcup-Kalender in den kommenden Jahren weiter ausbauen. „In Zukunft sollen auch Wettbewerbe in Südkorea und China stattfinden und auch Nordamerika wollen wir wieder stärker einbinden“, sagte Hofer der SportBild. „Es gab Pläne einer Skisprunghalle in Dubai und auch ein Springen in einem Fußballstadion hätte seine Reize.“

E wie Eddie the Eagle: Der gelernte Maurer Eddie Edwards schaffte es als erster Skispringer aus Großbritannien zu den olympischen Spielen. 1988 in Calgary sprang er zwar so schlecht, dass er letzter wurde – mit seiner Show und der symphathischen Underdog-Mentalität schaffte er es aber auf Anhieb in die Herzen der Fans. Obwohl sportlich abgeschlagen wurde Edwards zum Medienstar.

 

F wie Flugphase: In der Flugphase werden die Skier V-förmig aufgerichtet. Das bringt mehr Auftrieb. Im frühen 20. Jahrhundert sprangen die Athleten noch im Kongsberger-Stil, also mit abgeknickter Hüfte, parallelen Skiern und rudernden Armen.

Peter Prevc im V-Stil in Bischofshofen. © Ingo Jensen, OK Bischofshofen

G wie Glasfaser: Aus Glasfaser und Holz bestehen die Skier. Maximal dürfen sie 80 cm länger als die Skispringer sein. Die maximale Breite der Skier ist 11,5 cm.

H wie Holmenkollen: Der Holmenkollbakken in Norwegen ist die älteste Skisprungschanze der Welt. Bereits 1892 wurden hier Wettbewerbe ausgetragen. Im selben Jahr wurde die Sportart bereits offiziell anerkannt. Jedes Jahr kommen 50.000 Zuschauer zum prestigeträchtigsten Weltcup-Event des Jahres.

Die imposante Anlage am Holmenkollen.

I wie Internationaler Skiverband FIS: Die FIS (Fédération International de Ski) wurde 1924 gegründet und hat ihren Sitz in Oberhofen am Thunersee (Schweiz). Ihr aktueller Präsident ist der Schweizer Gian-Franco Kasper. Zur wichtigsten Aufgabe der FIS gehört die Reglementierung sowie die Organisation der Wettbewerbe.

J wie Janne Ahonen: Janne Ahonen gewann zwischen 1999 und 2008 fünfmal die Vierschanzentournee und ist damit Rekordsieger. Der coole Finne wurde außerdem fünfmal Weltmeister. Bei Olympia wollte es mit dem ganz großen Triumph jedoch nie klappen: Zwei Mal Silber mit dem Team 2002 und 2006 stehen hier zu Buche. Nach seiner Karriere widmete sich Ahonen dem Motorsport, bevor er in dieser Saison ein Comeback wagte: Im Sommer wurde der 39-jährige finnischer Meister im Skispringen.

K wie K-Punkt: Der K-Punkt gibt die Größe der Schanze an. Bei einer K120-Schanze ist die Entfernung vom Schanzentisch zum empfohlenen Landepunkt 120 Meter.

L wie Landung: Bestnoten bekommen die Athleten für die Telemark-Landung. Dabei landen die Athleten in einem Ausfallschritt. Benannt wurde die Technik nach der norwegischen Provinz Telemark, wo dieser Stil das erste Mal gesprungen wurde.

M wie Meter: Der weiteste Flug eines Skispringers: 251,5 Meter sprang Anders Fannemel aus Norwegen beim Skiflug Weltcup 2015 in Vikersund.

 

N wie Nykänen: Matti Nykänen gewann Anfang der 80er Jahre viermal den Gesamtweltcup. Nur Adam Malysz schaffte das genauso oft. Nykänen gewann außerdem vier olympische und fünf goldene WM-Medaillen. Nach seiner Karriere erlag er seiner Alkoholsucht und verbüßte 13 Monate im Gefängnis wegen versuchten Totschlags.

O wie Olympia: Skispringen war schon sehr früh beliebt und ist daher seit den ersten olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix (Frankreich) olympisch. Finnland holte bisher die meisten Goldmedaillen (zehn), Norwegen führt in der Medaillenwertung (30).

P wie P-Punkt: Die blaue P-Punkt-Linie liegt relativ weit oben am Hang, ungefähr zwischen Schanzentisch und K-Punkt. Ab dem P-Punkt beginnt das maximale Gefälle und somit die Landezone.

Q wie Qualifikation: Für die Wertungsdurchgänge an einem Skisprung-Wochenende ist eine Qualifikation notwendig. Die 50 besten Springer der Quali dürfen am Hauptwettbewerb teilnehmen. Die zehn besten Springer des Weltcups sind automatisch qualifiziert und müssen daher nicht zwingend teilnehmen.

Stephan Leyhe in Innsbruch. Im Turm im Hintergrund sitzen die Wertungsrichter. © Ingo Jensen, OK Vierschanzentournee

R wie Richter: Im Turm neben dem Aufsprunghügel sitzen fünf Wertungsrichter, die Haltungsnoten für die Springer vergeben. Bewertet werden dabei:
1. Die Flugphase: Wie nutzt der Athlet die Windverhältnisse, bilden Körper und Ski eine stabile Lage und sind Arme, Beine und Ski symmetrisch
2. Landung: Der Skispringer muss sich aufrichten, die Arme seitlich nach oben führen und die Ski in Parallelstellung drehen (Telemark).
3. Das Ausfahren: Der Telemark soll noch ein Stück beibehalten werden und bis zur Sturzlinie soll kein verkanten der Ski stattfinden.

S wie Stiefel: Die Sprungstiefel sind an den Knöcheln beweglich. Die Springer können sich in der Flugphase deshalb weit nach vorn lehnen. Die Bindung vereint Stiefel und Ski. Mit dem vorderen Teil des Fußes sind die Skispringer darin fest fixiert. Die Fersen sind jedoch locker, damit der Athlet sie im Flug anheben kann.

Der markante Turm der Innsbrucker Schanze wird ehrfürchtig Kobra gennant.

T wie Turm/Tisch: Der Schanzenturm ist das Markenzeichen jeder Schanze. Er ist schon von weitem zu sehen und prägt das Bild der Region. Im Schanzenturm warten die Springer vor ihrem Einsatz. Vom Schanzentisch am Ende der Anlaufbahn stoßen sich die Skispringer ab. Er hat eine Neigung von 11 Prozent.

U wie Unfälle: Ein Sturz beim Skispringen kann für die Athleten dramatische Folgen haben. Österreichs Ausnahmespringer Thomas Morgenstern hat seinen heftigen Sturz psychisch nicht überwunden und seine Karriere wenig später beendet. Auch Simon Amman kämpft nach seinem schweren Sturz vor zwei Jahren in Bischofshofen mit der Blockade im Kopf. Schlimmer erwischte es den Österreicher Lukas Müller. Vor einem Jahr verlor er die Kontrolle beim Skiflug-Wettbewerb am Kulm und ist seitdem gelähmt. Der 24-jährige käpft sich seitdem zurück und ist mit zahlreichen wohltätigen Projekten ein Vorbild für die Jugend.

 

V wie Vierschanzentournee: Seit 1953 gibt es den Wettbewerb. Die Idee entwickelten die Skiclubs Partenkirchen und Innsbruck. Obwohl bei der ersten Tournee die Weltklasse-Springer fehlten, sprach sich die überragende Stimmung durch die Fans und die tolle Organisation bald herum – die Vierschanzentournee entwickelte sich zu einem der prestigeträchtigsten Wettbewerbe des Winters.

W wie Wertung: Für einen Sprung auf den K-Punkt gibt es 60 Weitenpunkte. Für jeden Meter mehr oder weniger werden dann 1,8 Punkte addiert oder abgezogen.
Fünf Punktrichter vergeben Haltungsnoten. Von den fünf Endnoten werden die niedrigste und die höchste gestrichen. Die restlichen drei Wertungen bilden die Haltungsnoten.
Windfaktor: An fünf verschiedenen Punkten wird die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit gemessen. Daraus ergibt sich der Windwert. Hat ein Springer schlechtere Bedingungen bekommt er Windpunkte dazu, hat er besseren Wind, bekommt er Windpunkte abgezogen.
Gatefaktor: Ändert sich die Absprungluke während des Wettkampfs (z.B. eine Stufe niedriger, da Wind zu stark) bekommen die Springer Punkte dazugerechnet oder abgezogen.

X wie eXperte: Der Skisprung Experte der ARD, Diether Thoma, ist ehemaliger Weltmeister, Olympiasieger, Skiflugwelmeister und gewann die Vierschanzentournee und den Gesamtweltcup. Außerdem errang der Sportler aus Hinterzarten Gold mit dem Team bei der nordischen Ski-WM in Ramsau. Im selben Jahr beendete er seine Karriere.

Y wie Youtube: Auf dem sozialen Netzwerk finden sich viele schöne Momente der Skisprung-Geschichte. Wie dieser hier:

 

Z wie Zitate: Jens Weissflog, Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcupsieger:
Man fliegt nur so weit, wie man im Kopf schon ist.
Sven Hannawald:
Ich bin kein Held. Ich springe von hohen Schanzen, im Schwimmbad aber nur vom Ein-Meter-Brett.

 

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