Sensationelles Photo-Finish! Die Highlights des Wochenendes

Schempp und Lesser schlagen den übermächtigen Fourcade und der junge Russe Ustjugow gewinnt die Tour de Ski. Außerdem: Bob und Rodeln.

Herzschlag-Finale in Oberhof

Simon Schempp und Erik Lesser sorgten für das deutsche Biathlon Highlight des bisherigen Winters. Zusammen mit Ausnahmefahrer Martin Fourcade und Altmeister Ole Einar Björndalen gingen sie beim Massenstart über 15 Kilometer nach dem Stehendschießen in die letzte Runde.

Fourcade ging gleich beim ersten Anstieg volle Pulle, Simon Schempp hängte sich kämpferisch an den Franzosen und hielt Schritt. Martin Fourcade drehte sich kurz nach dem Hügel um und schien überrascht, als er Simon Schempp in seinem Windschatten erblickte. Die beiden liefen bis zum Schluss vorne weg. Simon Schempp nutze dabei stets den Windschatten von Fourcade, wodurch er „Körner sparte“, wie er später im ZDF verriet. Der Franzose, der eine Strafrunde mehr als seine Konkurrenten in den Beinen hatte, wirkte vor dem Ziel müde, sodass Erik Lesser die Chance ergriff und auf die Führenden aufschloss.

Im Zieleinlauf wurde es dramatisch. Simon Schempp sprintet als ob es kein morgen gäbe und holt sich in dem spannendsten Rennen der Saison den Sieg. Kurz hinter ihm Fourcade und Lesser. Dieser wirft sich ins Ziel und landet so im Photofinish vor dem Franzosen. Ein atemberaubender Schlussspurt, die Stimmung in Oberhof kochte über. Am Ende stimmten die Anhänger minutenlang „Oh wie ist das schön“ an.

Hochklassige Tour de Ski

Sergei Ustjugow ist endgültig in die Langlauf-Weltklasse vorgelaufen. Die schwierige Tour de Ski, bei der die Athleten Wettkämpfe in verschiedenen Laufstilen und Distanzen in einem Zeitraum von einer Woche bewältigen müssen, dominierte er fast nach belieben.

Beim vorletzten Wettkampf sah es so aus, als könne der Gesamtweltcupführende und Vorjahresgewinner Martin Johnsrud Sundby Ustjugow noch abfangen. Doch beim letzten Rennen gab sich der Russe keine Blöße und verwies den Norweger Sundby mit insgesamt 1:02,9 Minuten auf Rang zwei.

Der Triumph des 24-jährigen Ustjugow kommt keineswegs plötzlich. 2013 und 2014 gewann er jeweils Gold in den Jugendwettbewerben. Seitdem sammelte er viel Erfahrung, gewann insgesamt vier Einzelweltcups und wurde letzte Saison vierter der Gesamtwertung. Der größte Erfolg für den Mann aus Meschduretschenski ist jedoch sein Triumph bei der Tour de Ski.

Bei den Frauen setzte sich die bisher stärkste Dame des Winters durch. Die Norwegerin Heidi Weng führt den Gesamtweltcup an und war daher als leichte Favoritin für den Gesamtsieg ins Rennen gegangen. Auf der Strecke lieferte sie sich jedoch einen harten Kampf mit der Schwedin Stina Nilsson.

Erst auf dem Schlussanstieg der letzten Etappe konnte Weng den nötigen Vorsprung herausholen – was für ein Finale. Heidi Weng hat sich damit viel Selbstvertrauen für die Nordische Ski WM geholt. Diese Form muss sie allerdings bis zum 22.2. konservieren. Dann findet das Turnier im finnischen Lahti statt.

Die deutschen Starter konnten die erhofften Top-Ten-Platzierungen bei der Tour nicht erreichen. Deutschlands beste Läuferin Nicole Fessel wurde im Gesamtklassement 13, sorgte aber mit zwei sechsten Plätzen bei der Etappe in ihrem Heimatort Oberstdorf für das beste Ergebnis des DSV.

 

Deutsche Triumphe bei Rodel-EM

Als Felix Loch ins Ziel schlitterte war er sauer. Auf seiner Heimbahn gelang ihm erneut kein fehlerfreier Lauf. Es reichte nur zu Platz vier für den erfolgreichsten deutschen Rodler. Europameister wurde der Russe Semen Pawlitschenko, Silber holte sich Ralf Palik aus Erlabrunn.

Bei den Damen gewann Natalie Geisenberger. Die Münchnerin ist damit zum dritten Mal nach 2008 und 2013 Einzel-Europameisterin. Vor vier Jahren holte sie sich den Titel außerdem im Teamwettbewerb. Dritte wurde Geisenbergers Teamkollegin Tatjana Hüfner. Sie musste sich neben Geisenberger auch der starken Russin Tatjana Iwanowa geschlagen geben.

Unschlagbar sind weiterhin die deutschen Doppelsitzer. Seit Wochen stellt sich nur noch die Frage, wie die deutschen Teams die Plätze eins bis drei untereinander aufteilen. In Königssee verteidigten Tobias Wendl und Tobias Arlt ihren Europameistertitel von 2015. Die Olympiasieger verwiesen ihre Kollegen Toni Eggert und Sascha Benecken sowie Robin Geueke und David Gamm auf die Plätze zwei und drei.

Lochner gelingt erster Weltcup Sieg im Vierer

Mit großem Vorsprung gewinnt der Junioren-Weltmeister Johannes Lochner das Viererbob Weltcuprennen in Altenberg. Es war erst sein dritter Start im großen Schlitten, davor fuhr er im Zweierbob. Der Stuttgarter grinste bei der Siegerehrung pausenlos und konnte seinen Triumph noch gar nicht fassen. „Dass ich in meinem dritten Vierer-Weltcup schon ganz oben stehe, hätte ich nie gedacht“, sagte Lochner.

Sein Triumph war auch ein Fingerzeig für kommende Aufgaben. In sechs Wochen startet die Heim-WM am Königssee, nächsten Winter will er im Viererbob bei den olympischen Spielen angreifen.

Dritter wurde übrigens Lochners Teamkollege Francesco Friedrich. Auch er fuhr bereits erfolgreich im Zweierbob, wurde unter anderem Weltmeister. Die Arbeit des neuen Bundestrainers René Spieß, der unter anderem mit neuem Material trainieren ließ, ist bislang sehr vielversprechend.

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